Samstag, 18. August 2007

Bin ich wirklich?


1.Ein winterlicher Spaziergang


An einem kalten Wintertag mitten im November nahm sich der 20 jährige Harry Potter einen Tag Auszeit von Pflichten und Familie (die ihm, auch wenn er es nicht aussprach, doch des öfteren zum Halse heraushing) und geht mitten im schon weihnachtlich geschmückten London spazieren.

Ginny, seine Verlobte, lies er zu Hause, er wollte seine Ruhe.

Der Wind war kalt und wehte ihm schon kurz nachdem er um die Hausecke gebogen war, schneidend ins Gesicht.

Doch er genoss die Stille. Es war 13 Uhr als er von zu Hause aufbrach und sich Richtung Innenstadt aufmachte, um zu schauen wie es in der Muggel Welt so kurz vor dem Weihnachtsmonat aussah.

Er musste ca. eine Stunde laufen, bis er die Kensington Road erreichte.

Auf dem Weg dort hin machte er eine kleine Pause an der Kings Cross Station. Er war lange nicht mehr hier gewesen. An diesem Bahnhof, der ihn so viele Jahre in seinem Leben begleitet hatte. Er konnte es gar nicht erwarten irgendwann seine eigenen Kinder hier an Gleis 9 ¾ in den Zug zu setzen und ihnen Nachzuschauen wie sie Richtung Hogwarts losfuhren.

Er setzte sich auf eine Bank und beobachtete das geschäftige Treiben all dieser Menschen, die keine Ahnung hatten, das direkt hier unter ihnen einer der größten Zauberer saß, die die Welt je gesehen hatte. Was wohl daran lag, das es einfach nicht ihre Welt war.

Während er da saß und träumend in die Gegend schaute, übersah er die vielen Menschen die sich nach ihm umsahen oder mit Fingern auf ihn zeigten. Einige Mädchen kicherten sogar als sie ihn sahen.

Einige Minuten hatte er gerade aus gestarrt, erst jetzt fixierte sein Blick ein Plakat, das für ein Theaterstück warb, welches heute hier in London Premiere in der Royal Albert Hall feiern sollte. Ein Shakespeare Stück; Hamlet. Harry grübelte, der Name sagte ihm etwas, er konnte aber nicht genau sagen, woher er ihn kannte. Vielleicht hatte Hermine diesen Namen mal erwähnt, sie kannte ja immer jeden. Harry musste lächeln. Er vermisste Hermine. Was sie wohl machte? Vor ca. einem Jahr war sie nach Australien aufgebrochen. Ihre Eltern waren damals nach dem Urlaub einfach dort geblieben, weil Australien ihnen eine besseres Leben versprach, als es England tat. Nun war Hermine schon eine ganze Zeit fort und unterrichtete an der dortigen Schule für Hexerei und Zauberei Mooreburry„Geschichte der Zauberei“. Manchmal erzählte Ron ihm wie gut es ihr dort gefiel und sie am liebsten für immer bleiben würde. Dabei verzog er jedes Mal das Gesicht und spielte den Beleidigten.

Das Plakat zeigte einen großen Saal mit langen Tischen und Bänken die zu einem Festmahl gedeckt waren.. Zwischen den Tischen stand ein Mann der die Arme, wie als würde er flehen, erhoben hatte. Harry konnte das Gesicht nicht erkennen, aber der Mann schien gutaussehend zu sein. Er musst ungefähr in Harrys alter sein.

Er saß noch eine Weile schweigend da, stand dann auf und setzte seinen Weg Richtung Kensington fort. Er durchquerte Finsbury und Clerkenwell bis er vor St. Pauls Cathedral stand. Was für ein Gebäude. Er hatte es vor einem Jahr schon einmal mit Ginny besucht. Ginny war damals völlig aus dem Häuschen gewesen und besonders gefallen hatte ihr die Flüsterkuppel. Bestimmt eine halbe Stunde musste er mit ihr das „Ich-flüstere-und-du-hörst-mich-doch“ Spiel spielen. Aber er liebte sie sosehr, dafür lies er auch das über sich ergehen.

Er stand ca. 10 Minuten da und starrte herauf zu der großen, beeindruckenden Kuppel und musste lachen, als er sich daran erinnerte wie ihm oben auf der Aussichtsterrasse so schlecht wurde. Ihm, der so viele großartige Quidditschspiele gespielt hatte.

Harry schlenderte in Richtung Trafalgar Square. Mittlerweile war ihm schon ein paar Mal aufgefallen, das die Leute um ihn rum in teilweise schon sehr neugierig ansahen. Bei einigen hatte er das Gefühl sie hätten ihn gern angesprochen. Er grübelte, woran das wohl liegen könnte und kam zu dem Schluss das es an seiner Kleidung liegen musste. Er trug braune Cordhosen, schwere braune Stiefel und über seinem blauen Kapuzenpulli einen langen dunkel grünen Mantel, an dem, wie ihm jetzt bewusst wurde (und es war ihm ziemlich unangenehm) noch das Hogwartsabzeichen für besondere Verdienste, steckte. In diesem Aufzug unterschied er sich doch schon ziemlich von den Muggel in seiner Altersklasse. Und so wurde er, trotz der Kälte doch ein klein wenig rot im Gesicht.

Jetzt vielen ihm auch immer Menschen auf die auf ihn zeigten und sich leise tuschelnd anscheinend über ihn unterhielten. Harry mochte so etwas nicht, schon in der Schule hatte er es gehasst wenn hinter seinem Rücken über ihn gesprochen wurde und so bog er nach kurzer Zeit in eine kleine Seitenstrasse ab.

Hier gefiel es ihm schon besser. Alles erinnerte ihn ein wenig an die Winkelgasse, nur das hier die Zauberläden fehlten. Nur an einem kleinen Laden kam er vorbei, in dem eine ältere Frau Zeitungen und Zigarette anbot. Neben dem Laden hing ein kleines Plakat, das (diesmal ohne Bild) nochmals auf die heutige Premiere des Theaterstückes hinwies.

Heute, 16 Uhr,

Premierenvorstellung in der Royal Albert Hall

Shakespeares „Hamlet“

In den Hauptrollen

Sally Hawkins, Imelda Staunton

Und Daniel Radcliffe als Hamlet




2. Der Menschenauflauf


Harry las das Plakat ohne großes Interesse und wandte sich den ausliegenden Zeitschriften zu.

Er las ein paar der Schlagzeilen:

„Deutsche wählen Merkel zur Kanzlerin – kann das gut gehen?“

„Google übernimmt YouTube – hat es sich ausgetubet?“

„Englische Familie entdeckt bei Spaziergang unbekanntes Schloss – Geschockt berichten sie von unglaublichen Vorgängen“


Harrys Interesse hielt sich in Grenzen und so legte er seinen Spaziergang fort. Die kleine Gasse endete gegenüber des St. James Park. James….Harry spürte ein kleines ziehen in der Magengegend als er an seinen Vater dachte. Er betrat den Park, in dem die Bäume schon weihnachtlich geschmückt waren und spazierte, seinen Gedanken nachhängend ein quer hindurch. Vorbei am Buckingham Palace erreichte er am Ende sein auserkorenes Ziel, die Kensington Road. Er hatte gehört das hier zur Weihnachtszeit die Strassen besonders schön geschmückt waren, und das wollte er sich ansehen.

Es war mittlerweile beinahe 15 Uhr und wurde langsam dämmrig.

Er schlenderte am Rande des Hyde Parks entlang. Ein Gruppe junger Frauen kamen ihm, dick eingepackt in Wolljacken, auf Pferden entgegen. Die Faszination hatte er nie begriffen. Was soll an Pferden so besonders sein?

Von der anderen Straßenseite rief jemand: „Hey, Redcliffe, was soll denn der Aufzug? Den Bezug zur Realität verloren, wah?“ Harry schaute zur anderen Straßenseite und überlegte wer wohl gemeint war, kümmerte sich dann aber nicht weiter darum.

Jetzt wo es langsam Abend wurde, hatte auch die Temperatur noch weiter abgenommen. Er klappte seinen Mantelkragen hoch und marschierte weiter.

Vor ihm tauchte, hell beleuchtet, das Albert Memorial auf. Er stieg die Treppen hinauf und schaute sich die Skulpturen an den Ecken des Denkmales an. Er hatte vor einiger Zeit mal gelesen, das sie die vier Hemisphären darstellen sollen.

Nachdem er einmal um das Denkmal herum gegangen war, blieb er auf der oberen Stufe stehen. Ihm gegenüber, auf der anderen Straßenseite lag die Royal Albert Hall.

Davor war eine ziemlich Menschenansammlung.

Ach ja, das Theaterstück, viel es Harry ein.

Scheinwerfer warfen ein gleißendes Licht auf den roten Teppich, der sich zwischen den Menschen auf den Eingang der großen Halle zu schlängelte. Über den Teppich schritten Frauen und Männer, die den Wartenden Autogramme gaben oder den schreienden Reporten Rede und Antwort standen. Dabei viel Harry auf, das vor allem die Frauen es besonders eilig hatten. Kein Wunder, wo sie doch alle viel zu dünn angezogen waren für diesen kalten Abend.

Das Blitzlicht der Reporten spiegelte sich in den glänzenden Kleidern und das ganze kam Harry doch ziemlich surreal vor. So einen Aufstand hatte er noch nie gesehen.

Es erinnerte ihn ein wenig an das Trimagische Turnier, aber so schlimm war es damals nicht gewesen.

Plötzlich kam von der anderen Straßenseite ein ohrenbetäubendes Gekreische zu ihm herüber geweht. Harry kniff die Augen zusammen um erkennen zu können, warum die Menschen am Roten Teppich plötzlich so aus dem Häuschen waren. Er konnte nicht viel erkennen, dafür war er zu weit weg. Aber das Schreien galt eindeutig einem jungen Mann der soeben aus einer großen Limousine gestiegen war, die am Roten Teppich vorgefahren war.

Es musste sich um den Hauptdarsteller des Theaterstückes handeln, den er vorhin auf dem Plakat am Kings Cross gesehen hatte.

Der junge Mann schritt langsam den Teppich Richtung Eingang herab. Winkte, blieb hier und da stehen, schüttelte Hände und posierte für Fotos. Oh ja, Harry konnte fühlen wie der Mann dort unten sich jetzt fühlen musste. So viel Aufmerksamkeit kann tröstlich sein, einen aber auch erdrücken wenn es zu viel wurde.

In welcher Phase sein Leidensgenosse jetzt war, wusste er nicht, aber wünschte ihm die Tröstliche.

Als Harry hinter sich Schritte hörte, die schneller Näher kamen, drehte er sich um. Eine Gruppe junger Mädchen kam mit einer wahnsinns Geschwindigkeit auf ihn zugerannt.

Das Mädchen, welches am schnellsten lief, kreischte plötzlich so laut los, das Harry zusammenzuckte. „Ohhhh, scheiße, Daniel ist schon da. Maaaaaaan, schneller beeilt euch!“ Und mit einem gemeinschaftlichen „Scheiße“ rauschten sie an Harry vorbei und ohne auf den Verkehr zu achten, auf die andere Straßenseite um dort mit der Menge zu verschmelzen.

Harry beobachtete das Spektakel noch ungefähr eine halbe Stunde lang, und als die Menschenmenge langsam begann sich aufzulösen, der Teppich leer da lag und Harry merkte wie irre kalt ihm eigentlich war, machte er sich, durch den Hyde Park, auf den Weg zurück.

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